Erinngerungen
Um die Jahrhundertwende bestand Hier ein gut fundierter Carneval – Verein. Dessen Aufgabe war es, Fastnacht mit einem triftigen Umzug; einer guten Laienbühne, mit der großen Rolle zu gestalten. Die große Rolle war aus zusammengeklebte Papierbogen,, darin sämtliche Geschehnisse, wie in der Kerwered, alle Geschehnisse, die erwähnenswert waren aufgezeichnet und auf Herrenfastnacht, , während einer Theatervorführung, vorgelesen wurde. Von dem zweiten Schandarm wurde dann gleich die entsprechende Strafe verkündet. : (Arretiert; Fisoliert; Massagriert )
Zu dieser Zeit traten Herren auf den Plan, die Junge Leute mit auf den Hausierhandel genommen hätten, wenn Sie den notwendigen Gewerbeschein gehabt hätten. Zu der damaligen Zeit, wurden Gewerbescheine nur ab dem 25.ten Lebensjahre an Unbescholtene ausgegeben. Nachdem weit und breit keine Beschäftigung für junge Leute war, und eine Verkehrsmöglichkeit nicht bestand. ( Nebenbei erwähnt, hat mein Vater 1906 das fünfte Fahrrad gekauft. Die Verkehrsmöglichkeiten waren gleich Null ).
Da hat sich eine Deputation, wie man das damals nannte, gebildet,: Ein Steinhauer; ein Waldarbeiter; ein Taglöhner; an der Spitze Herr Pfarrer School. Die sind nach München an die Landesregierung gefahren; und haben dort die Umstände vorgebracht. Jeder Arbeiter, die geringe Zahl seiner Mitarbeiter. Der Herr Pfarrer hat dann das ganze zusammen gezogen und die Armut seiner Gläubigen geschildert.
Sie haben dabei erreicht, daß Gewerbescheine für minderjährige ab dem 17.ten Jahre ausgestellt werden dürfen, wenn die BEDÜRFNISFRAGE erfüllt ist. Das war ein sehr dehnbares Wort.
Es wurde jedem Antrag ein schriftliches Zeugnis beigefügt und wurde dann vom Bezirksamtmann ( wie damals der heutige Landrat hieß ) für gut geheißen oder abgelehnt zurück gegeben. So kam Ende 1903 auch zwei eingereichte Zeugnisse zurück.
Darauf hin hat dann der Ortsbürgermeister persönlich beim Bezirksamtmann vorgesprochen und die Bedürtigkeit vorgetragen.
Und in der Hitze der Gespräche, hat der Bürgermeister gesagt : Hertlingshausen ist ja an und für sich eine arme Gemeinde. Da ist der Amtmann vom Stuhl aufgesprungen und hat gesagt: Was, eine Gemeinde die sich einen kostspieligen Carneval – Verein leisten kann, kann nicht von sich sagen, daß sie eine arme Gemeinde ist.
Damals galt Carneval als Luxus.
Wie dann der Bürgermeister mit seiner Abfuhr zu seinen Gemeinderäten und Vereinsvorständen, die ja meistens dieselben sind zurück kam, hat man dann beraten, wie man den Namen Carneval auslöschen kann, und die Sache doch beibehalten.
Bei der Gelegenheit ist man auf den Baltasar Scheuermann gekommen, der früher in Hettenleidelheim Turnwart war. Da der sich bereit erklärt hat den Turnbetrieb zu führen, ist man zu dem Schluß gekommen den Carnevalverein aufzulösen und einen Turnverein zu gründen.
Bei der nächsten Generalversammlung des Carnevalvereins Anfang 1904 hat man Carnevalverein aufgelöst und einen Turnverein gegründet. Die Vorstandschaft blieb dieselbe.
Vorzitzender : Schwenk Jakob I
Kassierer : Rößel Bernhard
I Turnwart : Scheuermann Baltasar
Bei der Vermögens- Überschreibung mußten die neuen Herren Geloben die Fastnachtsbräuche treu und brav beizubehalten.
Mein Vater war vorher und nachher Kassierer.
Die meisten Beschlußfassungen und Auschußsitzungen haben in unserer Stube stattgefunden. Schon aus Sparsamkeitsgründen.
Dadurch habe ich ja alles mitkriegt, ich war da schon äußerst aufnahmefähig.
Es bestand jetzt der Turnverein.
Turnverein später Sportverein und dann Turn- und Sportverein
Der Turnverein begann dann seinen Turnbetrieb hinter unserem Haus ,Klosterhofstraße 118 , das Haus in dem heute Reinhard Rößel, der URENKEL von dem damaligen Hauptmitbegründer des Turnvereins, wohnt.
Die Turnstunden fanden auf der Wiese statt die zur Wirtschaft Klosterhof gehörte.
Das Vereinslokal wurde dann gleich vom Gasthaus Hirsch in den Gastbetrieb KLOSTERHOF verlegt.
Als Turngeräte hatte man erst Holzstäbe vom Schreiner Martin. Der hat auch 2 Pfosten geliefert, mit den passenden Einkerbungen; so daß die gekaufte Reckstange sich nicht drehen konnte und in jeder Höhe verstellt werden konnte. Später erwarb man Hanteln zum stemmen und Kugeln und Eisensteine zum werfen.
Später erwarb man, auch finanzliche Mithilfe von Gönnern trug dazu bei, einen Barren, ein eisernes Reck, das auch im Saal aufgestellt werden konnte und auch ein Pferd. Die Anschaffungen waren finanzlich immer sehr schwierig, es mußte oft Theater gespielt werden, und es hat mich AUSERORDENTLICH gefreut, daß die
Idealistigen, freiwilligen Spender immer noch leben.
Oft mußte mein Vater, der treue Kassierer, wie er genannt wurde, ins eigene Portmonaie` greifen und ein paar Pfennige oder Mark auslegen wenn von Gebrüder Danner Mühlhausen, die Nachnahme-Pakete mit Theaterbedarf, Käppchen und bengalisch Feuerpulver ankamen, daß die von den Turnern aufgebauten Pyramiden in rotem oder grünem Licht erstrahlten. Es ist dringend erforderlich, daß die idealistischen Spender
Am Leben bleiben; denken wir nur mal an unseren Saal.
Die Wiese wurde im Laufe der Jahreszeit zu matschig, man hat dieserhalb den Turnplatz an den Kahlenberg verlegt, auf ein Familiär ausgestorbenes Grundstück; wo heute das Sauhäuschen steht. Mit 12 Jahren habe ich als Unterstufe - Zögling mit geturnt. Abends gegen 10 Uhr sind wir mit lautem Sang das Unterdorf herauf marschiert: Turner auf zum Streite und u.s.w., da hat sich niemand daran gestört, die Leute waren froh, wenn wir uns gefreut haben. HEUTE ?????.
Im Winter fand die Turnstunde im Saale statt. Weil im Klosterhof der Saal im ersten Stock liegt bekam die Decke, der Verputz unten in der Küche, die darunter war, Sprünge und wir mußten schweren Herzens unseren Turnbetrieb in das Gasthaus zur Linde verlegen.
Später haben wir auf dem Schorlenberg günstig einen eigenen Platz erworben. Da der Platz abhängig war, haben wir mit Schippe und Schubkarren oben abgehoben und unten angefüllt, es hat sich dadurch eine fast 1 Meter hohe Böschung gebildet. Später bekamen wir den unteren Teil dazu von Heinrich Sperling- Es war aber in der Mitte eine Böschung, was sich dann später ungünstig ausgewirkt hat. Der Turnbetrieb stand dann in hoher Blüte.
Es wurden Turnfeste besucht und Preise erworben.
Mit der Zeit wurde in Deutschland das Fußball spielen üblich. Eingeführt jedenfalls durch die Amerikanische Besatzung. Der erste Ball wurde vom damaligen Schriftführer privat erworben. Wir haben erst vor meinem jetzigen Wohnhaus gespielt , und dann den Ball mit in die Turnstunde genommen. Auf dem Turnplan war aber Fußball spielen nicht erlaubt. Wir haben dann vor und nach der Turnstunde gespielt, und vor allem am Sonntagvormittag. Es kreuzten von anderer Seite richtige Fußbälle auf, und mit der Zeit war das Fußball spielen wichtiger als das Turnen. Es hat sich dann eine Mannschaft heraus gebildet, die nur noch Fußball gespielt hat.
Die haben nach meinem Wissen den SPORTVEREIN ins Leben gerufen, und haben den heutigen Sportplatz erworben. Die beiden Vereine haben nebeneinander bestanden, jedoch der Turnbetrieb schlief ein.
Wir haben dann sieben Mitglieder, unsere Jahresbeiträge bezahlt und die Gausteuer abgeführt, so daß der Gau unser Vereinsvermögen nicht beschlagnahmen konnte. Wenn ein Verein aufgelöst wurde, hat nämlich zu dieser Zeit der Gau das Vereinsvermögen eingezogen.
Mit der zeit wurden die Gesetze lockerer; dann haben wir das Vereinsvermögen an den Sportverein übereignet; mit der Bedingung, daß der Sportverein auf Turn.- und Sportverein umbenannt wird.
Also TuS
Er muß den Turnbetrieb übernehmen und die sieben Mitglieder in den Sportverein übernehmen.. Ein Mitglied hat die Übernahme abgelehnt.
Zu unserem Erstaunen hat der Sportverein den Platz schnell und stillschweigend verkauft. Wir wollten einen allgemeinen Festplatz daraus gemacht haben. Wir hatten eben da noch dort ein Stimmrecht und auch dieserhalb nicht befragt.



